1. Die Situation in Belarus

Bela­rus spürt die poli­ti­schen Aus­wir­kun­gen der offen­si­ven Poli­tik Mos­kaus gegen­über den Nach­bar­staa­ten mit einer gemein­sa­men sowje­ti­schen Ver­gan­gen­heit:

Gestützt auf ein Bünd­nis mit der Rus­sisch-Ortho­do­xen Kir­che för­dert der Kreml ein Staats- und Natio­nen­ver­ständ­nis, das sich auf die „Wer­te der rus­si­schen Kul­tur“ („Rus­s­ki Mir“) und auf den Stolz des mit gro­ßen Opfern errun­ge­nen mili­tä­ri­schen Sie­ges über Hit­ler-Deutsch­land stützt. Das Natio­nal­ge­fühl fin­det in den Demons­tra­tio­nen der „unsterb­li­chen Armee“ am Tag des Sie­ges, dem 9. Mai, in jedem Jahr sei­nen sicht­ba­ren und gefühls­be­ton­ten Aus­druck.

Das gemein­sa­me Schick­sal des von der gesam­ten Sowjet­uni­on geführ­ten Gro­ßen Vater­län­di­schen Kriegs fin­det in wei­ten Tei­len der bela­rus­si­schen Bevöl­ke­rung ein durch­aus posi­ti­ves Echo

Russ­land übt nicht nur als wich­tigs­ter Wirt­schafts­part­ner in der Eura­si­schen Wirt­schafts­uni­on und im Wege von güns­ti­gen Bedin­gun­gen für Kre­di­te star­ken Ein­fluss auf und in Bela­rus aus, son­dern hat auch in kri­ti­schen Momen­ten die Mög­lich­keit, die Russ­land freund­li­chen Grund­strö­mun­gen wei­ter Tei­le der Bevöl­ke­rung für Ein­fluss­nah­men nut­zen zu kön­nen. Die­se poli­ti­sche Opti­on Mos­kaus ist Luka­schen­ko, sei­nem Appa­rat und den Men­schen in Bela­rus all­ge­gen­wär­tig.

Mit der Beto­nung der bela­rus­si­schen Spra­che und Geschich­te, die auf dem fla­chen Land Mut­ter- und Umgangs­spra­che ist, aber kaum in den Städ­ten und in der staat­li­chen Ver­wal­tung gespro­chen wird und die aus dem Mund von Luka­schen­ko eher holp­rig klingt, ver­sucht die bela­rus­si­sche Füh­rung, ein Bewusst­sein natio­na­ler Iden­ti­tät zu schaf­fen, das im Wege des „Anders­sein“ ein auch im poli­ti­schen Den­ken und Han­deln der Men­schen ver­an­ker­tes Bewusst­sein einer geson­der­ten natio­na­len Iden­ti­tät auf­kom­men las­sen soll – objek­tiv und in der sub­jek­ti­ven Wahr­neh­mung.

In jüngs­ter Zeit macht die Bil­dung einer selbst­stän­di­gen bela­rus­si­schen Uni­ver­si­tät in Minsk von sich reden, die vor­nehm­lich in bela­rus­si­scher Spra­che leh­ren und for­schen soll. Ange­sichts der Ent­frem­dung der im litaui­schen Exil ver­an­ker­ten und wei­ter­hin von der EU finan­zier­ten, frü­her bela­rus­si­schen EHU – Euro­päi­sche Huma­nis­ti­sche Uni­ver­si­tät – zielt die Neu­grün­dung auf die Bil­dung eines bela­rus­si­schen Kul­tur- und Staats­be­wusst­seins ab. Der Erfolg hängt von der Dul­dung durch den Luka­schen­ko-Staat und von der Bereit­stel­lung aus­rei­chen­der finan­zi­el­ler Mit­tel ab. Von nicht gerin­ge­rer Bedeu­tung wird die Wahl der an der Uni­ver­si­tät zu bil­den­den Fakul­tä­ten sein.

An Schu­len gilt Bela­rus­sisch aktu­ell für ledig­lich 13 Pro­zent aller Schü­ler als Unter­richts­spra­che (2012 – 17 Pro­zent, 2007 –21 Pro­zent). Es ist zu beob­ach­ten, inwie­weit die aktu­el­le Akzen­tu­ie­rung der bela­rus­si­schen Spra­che die­se Zah­len beein­flus­sen wird.

Bemer­kens­wert war im Jah­re 2017 eine wei­te­re Ver­schie­bung des Dis­kur­ses um die natio­na­le und die sprach­li­che Iden­ti­tät sowie die damit zusam­men­hän­gen­de staat­li­che Eigen­stän­dig­keit bzw. Unab­hän­gig­keit des Lan­des von Russ­land. Wur­de die Dis­kus­si­on bis­lang vor­wie­gend von der unab­hän­gi­gen und dem Regime gegen­über kri­ti­schen Zivil­ge­sell­schaft geführt, besetz­ten im Jah­re 2017 zuneh­mend auch Regie­rung und der Prä­si­dent selbst das The­ma.

Im Som­mer 2017 appel­lier­te Außen­mi­nis­ter Makej auf dem in Bela­rus statt­fin­den­den, in vier­jäh­ri­gem Rhyth­mus ein­be­ru­fe­nen Welt­kon­gress aller Bela­rus­sen in der Dia­spo­ra – etwa 3,5 Mil­lio­nen Men­schen – an die Ein­heit aller Bela­rus­sen ange­sichts der inter­nen und exter­nen Her­aus­for­de­run­gen an das Land. Bei ande­rer Gele­gen­heit beton­te Luka­schen­ko selbst die his­to­ri­sche Ver­bin­dung von Bela­rus mit dem Groß­fürs­ten­tum Litau­en – ein deut­li­ches Abrü­cken von dem bis­he­ri­gen natio­na­len Nar­ra­tiv, das sich aus­schließ­lich auf die kom­mu­nis­ti­sche Ver­gan­gen­heit und den Gro­ßen Vater­län­di­schen Krieg stütz­te.

Im Inter­es­se der Unab­hän­gig­keit von Bela­rus, die durch die poli­ti­schen Ziel­set­zun­gen der Kreml­füh­rung und ent­spre­chen­de Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen prin­zi­pi­ell in Fra­ge gestellt wird, hat die Euro­päi­sche Uni­on zum Gip­fel­tref­fen der Öst­li­chen Part­ner­schaft im Novem­ber 2017 in Brüs­sel erst­ma­lig auch den bela­rus­si­schen Prä­si­den­ten Alex­an­der Luka­schen­ko ein­ge­la­den – obschon eine sub­stan­ti­el­le Ver­bes­se­rung der Men­schen­rechts­la­ge im Lan­de nicht ein­ge­tre­ten ist.

Die­se Initia­ti­ve wur­de durch eine Podi­ums­dis­kus­si­on ergänzt, die im Okto­ber in Tal­linn in Form eines Dia­logs von Ver­tre­tern der bela­rus­si­schen Regie­rung und der Euro­päi­schen Uni­on unter dem Vor­sitz und der Mode­ra­ti­on des Zivil­ge­sell­schaft­li­chen Forms der Öst­li­chen Part­ner­schaft statt­ge­fun­den hat.

Die im vier­jäh­ri­gen Rhyth­mus abge­hal­te­nen rus­sisch-bela­rus­si­schen mili­tä­ri­schen Manö­ver fan­den im Sep­tem­ber über­wie­gend in Bela­rus unter dem Mot­to „Zapad 2017“ (Wes­ten 2017) statt – in einem weit über den der OSZE gegen­über ange­kün­dig­ten Umfang an Per­so­nal und Waf­fen hin­aus­ge­hen­den Rah­men. Es gab eini­ge Zwi­schen­fäl­le und Demons­tra­tio­nen gegen die­se Manö­ver. Bela­rus hat­te von sich aus OSZE-Beob­ach­ter ein­ge­la­den, denen aller­dings Zugang zu rus­si­schen Ein­rich­tun­gen nicht gewährt wur­de. Tei­le der Bevöl­ke­rung befürch­te­ten, dass die rus­si­schen Trup­pen nicht in ihre Hei­mat­gar­ni­so­nen zurück­keh­ren, son­dern dau­ernd in Bela­rus sta­tio­niert wer­den könn­ten, was sich jedoch nicht bewahr­hei­te­te.

Die wirt­schaft­li­che und sozia­le Lage der Bevöl­ke­rung zeigt wei­ter­hin nega­ti­ve Ten­den­zen. Bemer­kens­wert waren Demons­tra­tio­nen gegen die vom Staat ange­kün­dig­ten Son­der­steu­ern für nicht ange­mel­de­te Arbeits­lo­se. Nach anfäng­li­cher Dul­dung der nicht ange­mel­de­ten Demons­tra­tio­nen griff das Sys­tem ener­gisch durch. Im Wege admi­nis­tra­ti­ver Stra­fen (Geld­stra­fen, kur­ze Gefäng­nis­stra­fen) wur­den poten­ti­el­le Unru­he­her­de unver­züg­lich aus­ge­merzt, ohne dass der Vor­wurf erho­ben wer­den konn­te, neue poli­ti­sche Gefan­ge­ne, also Mär­ty­rer zu schaf­fen. Eben­so soll­te der rus­si­schen Sei­te kein Vor­wand zur offe­nen oder ver­deck­ten Inter­ven­ti­on gelie­fert und die eige­ne Hand­lungs­fä­hig­keit auf dem Gebiet der Sicher­heit sicht­bar demons­triert wer­den.

Unter dem Ein­druck der Demons­tra­tio­nen hat Luka­schen­ko im Okto­ber 2017 eine Rei­he von bis dato als infor­mell gel­ten­den unter­neh­me­ri­schen Akti­vi­tä­ten von Ein­zel­per­so­nen als nicht-regis­trie­rungs­pflich­tig per Erlass aner­kannt – ein Jahr, nach­dem die ers­ten 18 frei­be­ruf­li­chen Tätig­kei­ten wie z.B. Schuh- oder Uhr­repa­ra­tur, Schnei­de­rei und Fri­seur­hand­werk von der Regis­trie­rungs­pflicht als Ein­zel­ge­wer­be befreit wor­den waren. Die Unter­neh­mer müs­sen eine monat­li­che von den loka­len Behör­den fest­ge­leg­te Steu­er gemäß vor­lie­gen­den Auf­trä­gen im Vor­aus ent­rich­ten. Sie müs­sen kei­ne Buch­füh­rung nach­wei­sen und kei­ne jähr­li­che Steu­er­erklä­rung abge­ben. Die von den Ein­zel­un­ter­neh­mern her­ge­stell­ten Pro­duk­te dür­fen nun auch über das Inter­net ver­trie­ben wer­den. Offi­zi­el­le bela­rus­si­sche Sta­tis­ti­ken gehen von einem infor­mel­len Sek­tor mit 20 Pro­zent Markt­an­teil aus. Das Regime bringt wider sei­nen eig­nen Wil­len einen Teil des infor­mel­len Sek­tors in den gesetz­li­chen Rah­men.

Die Bevöl­ke­rung ver­sucht, sich mit eigen­stän­di­ger wirt­schaft­li­cher Betä­ti­gung und im Wege der Arbeits­auf­nah­me im Aus­land am Leben zu erhal­ten.

Der vom Staat weit­ge­hend unab­hän­gi­ge IT-Sek­tor in Bela­rus arbei­tet wie in der Ukrai­ne und in den bal­ti­schen Repu­bli­ken vor allem für den euro­päi­schen Markt und für Nord­ame­ri­ka. Die Zuwachs­ra­ten der IT-Indus­trie sind beein­dru­ckend. Unter Ver­zicht auf poli­ti­schen Wider­stand und gesell­schaft­li­che Ver­net­zung schafft sich die Bevöl­ke­rung wirt­schaft­li­che und gewis­se sozia­le Frei­räu­me – aller­dings ein­ge­schränkt durch das Ver­bot for­ma­ler Ver­ge­sell­schaf­tung.

Die unab­hän­gi­ge Kul­tur­sze­ne ist leben­dig und wirkt auto­nom.

2. Belarus und die Östliche Partnerschaft – bilaterale Beziehungen mit Belarus

Belarus – Integraler Teil Europas

Die Ver­ei­ni­gung „Men­schen­rech­te in Bela­rus e.V.“ for­dert die euro­päi­schen Insti­tu­tio­nen sowie die Regie­run­gen der Mit­glied­staa­ten, aber auch Unter­neh­men und Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen auf, ihr Enga­ge­ment in Bela­rus zu stär­ken und die Bür­ge­rin­nen wie Bür­gern des Lan­des in der Gewiss­heit zu stär­ken, dass auch die­ses ost­eu­ro­päi­sche Land zu Euro­pa gehört und im Rin­gen um sei­ne Unab­hän­gig­keit, aber auch um die inne­re Erneue­rung aus und von Euro­pa Unter­stüt­zung erfährt.

Das Luka­schen­ko-Regime steht den euro­päi­schen Reform­an­sät­zen ableh­nend gegen­über wie auch der star­ke Nach­bar im Osten, die Rus­si­sche Föde­ra­ti­on, die im Wege der Eura­si­schen Uni­on die Schlüs­sel­rol­le Russ­lands in Ost­eu­ro­pa wie auch in ande­ren Tei­len der frü­he­ren Sowjet­uni­on kon­so­li­die­ren und för­dern will.

Die Gestal­tung der Bezie­hun­gen der Euro­päi­schen Uni­on und ihrer Mit­glied­staa­ten ori­en­tiert sich an den gemein­sam bei Gip­fel­kon­fe­ren­zen der Öst­li­chen Part­ner­schaft ver­ab­schie­de­ten Grund­sät­zen, die heu­te dar­auf gerich­tet sind, dif­fe­ren­zier­te, län­der­spe­zi­fi­sche Pro­gram­me zu ent­wi­ckeln. Als gemein­sa­mes Forum hat sich das der „Zivil­ge­sell­schaf­ten“ her­aus­ge­bil­det, die unab­hän­gig von staat­li­chen Insti­tu­tio­nen Gedan­ken­aus­tausch und Per­spek­ti­ven für die Akti­vie­rung zivil­ge­sell­schaft­li­cher Initia­ti­ven för­dern.

Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on hat auch die Unter­stüt­zung für pri­va­te klei­ne und mitt­le­re Unter­neh­men (KMU-Sek­tor) in Bela­rus durch die Euro­päi­sche Bank für Wie­der­auf­bau und Ent­wick­lung (EBRD) für wei­te­re vier Jah­re bis 2021 ver­län­gert. Die EBRD enga­giert sich seit 2012 im Rah­men der Öst­li­chen Part­ner­schaft in Bela­rus und bie­tet vor­ran­gig Bera­tungs­diens­te durch unab­hän­gi­ge loka­le und inter­na­tio­na­le Sach­ver­stän­di­ge. Zwi­schen 2012 und 2016 wur­den mehr als 250 Unter­neh­men auf dem Feld der Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­rung geför­dert, ein­schließ­lich Kre­dit­ver­ga­be; 1500 Arbeits­plät­ze wur­den dadurch neu geschaf­fen. Bis 2021 sol­len wei­te­re 200 Unter­neh­men aus den Regio­nen des Lan­des in das KMU-Pro­gramm der Euro­päi­schen Ent­wick­lungs­bank auf­ge­nom­men wer­den.

Ange­sichts des wach­sen­den Span­nungs­ver­hält­nis­ses zwi­schen Russ­land und Bela­rus aner­kennt die Euro­päi­sche Uni­on das Stre­ben von Bela­rus nach inter­na­tio­na­ler Absi­che­rung der natio­na­len Unab­hän­gig­keit und Selbst­stän­dig­keit. Im Rah­men der Öst­li­chen Part­ner­schaft hat sich die Euro­päi­sche Uni­on im Okto­ber 2017 dazu ent­schlos­sen, den Prä­si­den­ten des Lan­des erst­ma­lig zu der Gip­fel­kon­fe­renz aller an der Öst­li­chen Part­ner­schaft und der EU betei­lig­te Staats- und Regie­rungs­chefs unmit­tel­bar ein­zu­la­den. Dies war bis­lang wegen der feh­len­den demo­kra­ti­schen Legi­ti­ma­ti­on des Prä­si­den­ten von Bela­rus nicht gesche­hen. Damit sind die Prio­ri­tä­ten im Ver­hält­nis der EU zu Bela­rus ver­än­dert wor­den. Dies ist auch als ein Signal an Mos­kau zu wer­ten.

Problemfelder

Im Ver­hält­nis zu Bela­rus ste­hen die bis­lang erfolg­lo­sen Ver­hand­lun­gen über Visums­frei­heit im Rau­me, eben­so wie im Ver­hält­nis mit dem Euro­pa­rat das Fest­hal­ten von Bela­rus an der Todes­stra­fe und ihrer Anwen­dung. Die nach Bil­dung des auto­ri­tä­ren Regimes Luka­schen­ko im Herbst 1996 von der Euro­päi­schen Uni­on beschlos­se­ne Unter­bre­chung des Rati­fi­zie­rungs­ver­fah­rens für den schon aus­ge­han­del­ten „Ver­trag über Part­ner­schaft und Koope­ra­ti­on“ beein­träch­ti­gen Han­del und Wan­del im euro­pä­isch-bela­rus­si­schen Ver­hält­nis wie die Mög­lich­kei­ten von Welt­bank und der Euro­päi­schen Inves­ti­ti­ons­bank. Die Regeln der Staats­wirt­schaft und das Feh­len der unab­hän­gi­gen Judi­ka­ti­ven beein­träch­ti­gen aus­län­di­sche Inves­ti­tio­nen und Tech­no­lo­gie­trans­fer – unver­zicht­ba­re Vor­aus­set­zun­gen für die Her­stel­lung inter­na­tio­na­ler Wett­be­werbs­fä­hig­keit der bela­rus­si­schen Wirt­schaft. Die Mit­glied­schaft in der Eura­si­schen Wirt­schafts­uni­on kann die­se Nach­tei­le nicht aus­glei­chen.

Die vor­han­de­nen bila­te­ra­len Kon­tak­te auf offi­zi­el­ler Ebe­ne und im Rah­men der bila­te­ra­len zivil­ge­sell­schaft­li­chen Foren – wie das nun wie­der in fast regel­mä­ßi­gen Abstän­den statt­fin­den­de Minsk Forum der Deutsch-Bela­rus­si­schen Gesell­schaft – mögen atmo­sphä­risch zur Ent­kramp­fung der Bezie­hun­gen bei­tra­gen – dar­über­hin­aus­ge­hen­de Ergeb­nis­se sind nicht zu erwar­ten.

Die Euro­päi­sche Uni­on unter­stützt nun auch nicht­staat­li­che Initia­ti­ven für den nicht­staat­li­chen, den kom­mu­na­len und den zivil­ge­sell­schaft­li­chen Bereich – ein Bei­trag zur För­de­rung des Wan­dels von geschlos­se­nen – also sowje­ti­schen oder staat­lich-auto­ri­tä­ren Gesell­schafts­vor­stel­lun­gen zu denen der offe­nen Gesell­schaft mit Ver­ant­wor­tung und der Men­schen und Bür­ger im wirt­schaft­li­chen und gesell­schaft­li­chen Bereich. Sol­che Pro­jek­te wer­den jeweils von Reprä­sen­tan­ten des bela­rus­si­schen Staa­tes beglei­tet.

Entwicklungspotenzial der Universitäten

Die Euro­päi­sche Uni­on för­dert auch wei­ter­hin die im litaui­schen Exil regis­trier­te Euro­päi­sche Huma­nis­ti­sche Uni­ver­si­tät (EHU). Die staat­li­che schwe­di­sche Orga­ni­sa­ti­on für Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit, SIDA, ver­wal­tet die EU-Mit­tel, nach­dem es in der Ver­gan­gen­heit zu erheb­li­chen Ver­feh­lun­gen im Manage­ment der EHU gekom­men war. Die Euro­päi­sche Uni­on ver­zich­tet aber dar­auf, inhalt­lich auf die Gestal­tung der Uni­ver­si­tät und ihrer Lehr- und For­schungs­zie­le Ein­fluss zu neh­men – ein Nach­teil, der wegen feh­len­der Inno­va­ti­ons­kraft und Initia­ti­ve an die­ser wie auch an ande­ren Insti­tu­tio­nen in der Trans­for­ma­ti­ons-Zone zum refor­me­ri­schen Still­stand oder gar zum Rück­schritt führt. Man spricht von Schein-Demo­kra­tie und muss auch von der Restau­ra­ti­on auto­ri­tä­rer poli­ti­scher und uni­ver­si­tä­rer Ver­hält­nis­se spre­chen. Die EHU hat heu­te kei­nen Rück­halt mehr in der demo­kra­tisch ori­en­tier­ten Zivil­ge­sell­schaft von Bela­rus.

Dies wird auch an dem Ver­such deut­lich, der bela­rus­si­schen Sei­te mit der pro­be­wei­sen Ein­be­zie­hung der staat­li­chen bela­rus­si­schen Uni­ver­si­tä­ten in den Bolo­gna-Pro­zess die Mög­lich­keit zu geben, Lehr- und For­schungs­frei­heit zu erwer­ben. Nach Ablauf von zwei Jah­ren zeich­net sich kei­ne Libe­ra­li­sie­rung des rigi­den staat­li­chen bela­rus­si­schen Kon­troll­sys­tems gegen­über den eige­nen Uni­ver­si­tä­ten ab.

Es drängt sich der Hin­weis auf auto­ri­tä­re poli­ti­sche und uni­ver­si­tä­re Ver­hält­nis­se auch in ost-mit­tel­eu­ro­päi­schen Län­dern auf, die Mit­glied der Euro­päi­schen Uni­on sind.

Ber­lin, Dezem­ber 2017

Vor­stand

Dr. Hans-Georg Wieck
Ste­fa­nie Schif­fer
Chris­toph Becker
Ste­phan Male­ri­us