Von Ste­fa­nie Schif­fer, Stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de im Ver­ein Men­schen­rech­te in Bela­rus e.V., Ber­lin.

Vom 28. bis 31.11.2016 traf sich das jähr­li­che Civil Socie­ty Forum der Öst­li­chen Part­ner­schaft in Brüs­sel – zwei Tage Gesprä­che und Pla­nun­gen mit Part­nern aus der Ukrai­ne, Bela­rus, Geor­gi­en, Aser­bai­dschan, Arme­ni­en, Mol­dau, der EU und Gäs­ten vom Civil Socie­ty Forum EU-Russ­land. Ein wich­ti­ges get-tog­e­ther mit ca. 300 Teil­neh­mern aus ganz Euro­pa. Zum ers­ten Mal seit 2009 wie­der in Brüs­sel. Hoch­ran­gi­ge Ver­tre­tung des European Exter­nal Action Ser­vice, DG Near, Euro­pa­par­la­ment waren anwe­send.
Zen­tra­le Fra­gen von Sei­ten der Zivil­ge­sell­schaft an die EU Ver­tre­te­rIn­nen – Wird die EU die Visa­frei­heit für Geor­gi­en und Ukrai­ne zum Abschluss brin­gen? Erwei­te­rungs­kom­mis­sar Johan­nes Hahn: „They did their job. Now it is time for the EU to deli­ver.“ Wird das Asso­zi­ie­rungs­ab­kom­mens mit der Ukrai­ne nach dem ableh­nen­den Refe­ren­dum in den Nie­der­lan­den doch noch abge­schlos­sen? Hier ist der Ball im Feld der EU. Am meis­ten outs­po­ken war hier der EU Bot­schaf­ter der Tsche­chi­schen Repu­blik Pove­j­sil:: „I hope we won’t fail. This would dama­ge the credi­bi­li­ty of the EU“. Er bezeich­ne­te die EU als „pro­ject of mutu­al credi­bi­li­ty“ – „…if we fail with Asso­cia­ti­on agree­ment & visa libe­ra­li­sa­ti­on for Ukrai­ne EU will have a credi­bi­li­ty pro­blem.“ Aber auch Ana­lyst Ian Bond aus UK war klar über den Ernst der Lage: Eas­tern Part­nership soll Leh­ren aus dem Bre­x­it zie­hen bevor es zu spa­et ist – „your job: keep your governments honest. Cyni­cism about the sys­tem is the grea­test ally of popu­lists and aut­ho­ri­ta­ri­an sta­tes.“
Wie will die EU garan­tie­ren, dass ihre Bud­gethil­fe nicht der Kor­rup­ti­on zum Opfer fällt? Was tut die EU gegen Kor­rup­ti­on in den eige­nen Dele­ga­tio­nen (Arme­ni­en)? Ein EU Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter ant­wor­tet hier sehr aus­wei­chend: „Some­bo­dy is loo­king into it…“ Aber vor allem – kann die EU Sicher­heits­ga­ran­ti­en für die Staa­ten der ÖP bie­ten? Von Sei­ten der EU kommt hier eine Art von nüch­ter­ner Soli­da­ri­tät – „EU is pay­er but not play­er“ (Kata­ry­na Mater­no­va, stell­ver­tre­ten­de Direk­to­rin DG NEAR) – und immer wie­der das Beschwö­ren der „resi­li­en­ce“ – der Wider­stands­kraft – der Staa­ten der ÖP. Die EU kön­ne die­se „resi­li­en­ce“ frei­lich nur durch Rule of law, durch Stär­kung der demo­kra­ti­schen Struk­tu­ren unter­stüt­zen (May­er-Har­ting, Direk­tor EEAS). Da hat sich viel zwar viel getan. Ob das genü­gen wird? Die Kol­le­gen aus Ost­eu­ro­pa sind guter Din­ge. Was bleibt ihnen auch übrig. In Bezug auf Bela­rus mach­te Dirk Schü­bel (EEAS) klar, dass die EU hier kei­ne Illu­sio­nen hät­te Die Bezie­hun­gen hät­ten sich ver­bes­sert, weil Bela­rus auf die EU zugeht. In der Men­schen­rechts­la­ge gäbe es kei­ne Ände­run­gen. Die EU will aber den Dia­log füh­ren und zur Ver­bes­se­rung der Lage bei­tra­gen.
Ansons­ten ein Genera­tio­nen­wech­sel – das neue Forum ist jün­ger, weib­li­cher, ost­eu­ro­päi­scher – die EU Ver­tre­te­rin­nen im Stee­ring Com­mit­tee des Forums kom­men aus Think Tanks in Litau­en und Lett­land und strah­len viel Ener­gie und Kom­pe­tenz aus. Der „Ele­fant im Raum“ war Russ­land. Über Russ­land wur­de bemer­kens­wert wenig gespro­chen, weder im ope­ra­ti­ven noch im stra­te­gi­schen Bereich wur­de Russ­land beson­de­re Auf­merk­sam­keit geschenkt. Nur Hei­di Hauta­la (EP) mahn­te an, die „Nach­barn der Nach­barn“ ein­zu­be­zie­hen und die dor­ti­gen NGOs in ihrer schwie­ri­gen Arbeit zu unter­stüt­zen. Vom EU Russ­land Zivil­ge­sell­schafts­fo­rum waren mit mir fünf Ver­tre­ter anwe­send. Beson­ders Lena Bela­kuro­va aus St.Petersburg hat sich in den Dis­kus­sio­nen betei­ligt und als Ehren­amt­li­che bei allen Wah­len mit­ge­hol­fen. Das war sehr soli­da­risch und gut zu sehen. Ihre Fra­ge jedoch – wie die EU die rus­si­sche Zivil­ge­sell­schaft för­dern wol­le, die sich für Euro­pa und gegen Auto­ri­ta­ris­mus und Chau­vi­nis­mus im eige­nen Land ein­setzt blieb unbe­ant­wor­tet. EPDE hat die Arbeits­grup­pe Wah­len ein­ge­rich­tet – mit Anar Mam­mad­li, Artur Sak­unts, Aman­da Valen­tin, Ion Mano­le und Misha Ben­id­ze waren eine Rei­he EPDE Mit­glie­der ver­tre­ten. Pla­nun­gen zu den kom­men­den Wah­len in Arme­ni­en und zur Jah­res­ta­gung durch­ge­führt.
Ins­ge­samt ein gutes Forum – die Durch­füh­rung in Brüs­sel mit Anwe­sen­heit vie­ler EU Ver­tre­ter war posi­tiv. Neue Teil­neh­mer aus EaP brach­ten neue Ide­en und Fra­gen. Unbe­frie­di­gend nach wie vor jedoch die Aus­ein­an­der­set­zung mit Russ­land auf stra­te­gi­schem und ope­ra­ti­ven Niveau.

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