Von Ste­fa­nie Schif­fer. Von 18. Bis 19. Novem­ber 2010 kamen mehr als 200 Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter zivil­ge­sell­schaft­li­cher Orga­ni­sa­tio­nen aus den Län­dern der EU und der öst­li­chen Part­ner­schaft (Ukrai­ne, Bela­rus, Mol­dau, Aser­bai­dschan, Arme­ni­en, Geor­gi­en) in Ber­lin zum zwei­ten „zivil­ge­sell­schaft­li­chen Forum der Öst­li­chen Part­ner­schaft“ zusam­men. Ziel der Ver­an­stal­tung war es, die Ergeb­nis­se der Arbeit der Arbeits­grup­pen und der natio­na­len Platt­for­men des ver­gan­ge­nen Jah­res dem Ple­num vor­zu­stel­len und Emp­feh­lun­gen für die wei­te­re Arbeit des Forums zu for­mu­lie­ren.

Das zivil­ge­sell­schaft­li­che Forum der öst­li­chen Part­ner­schaft ist ein im Mai 2009 von der Euro­päi­schen Uni­on eta­blier­tes Gre­mi­um, das Ver­tre­ter von regie­rungs­un­ab­hän­gi­gen Orga­ni­sa­tio­nen zusam­men­bringt und das auf den regel­mä­ßi­gen Arbeits­tref­fen der Minis­ter der Staa­ten der öst­li­chen Part­ner­schaft in Brüs­sel sei­ne Emp­feh­lun­gen zu den Arbeits­be­rei­chen Demo­kra­tie und Men­schen­rech­te, öko­no­mi­sche Inte­gra­ti­on, Ener­gie und Umwelt sowie Kon­tak­te zwi­schen Men­schen vor­brin­gen kann. Die Arbeits­be­rei­che des zivil­ge­sell­schaft­li­chen Forums sind ana­log zu den Platt­for­men der Minis­ter­tref­fen der öst­li­chen Part­ner­schaft gestal­tet, um eine Kom­men­tie­rung der Regie­rungs­kon­fe­ren­zen durch die zivil­ge­sell­schaft­li­chen Akteu­re zu gewähr­leis­ten.

Das zwei­te Tref­fen des Forums wur­de im Aus­wär­ti­gen Amt in Ber­lin aus­ge­rich­tet, nach­dem das ers­te Tref­fen in Brüs­sel von der EU Kom­mis­si­on orga­ni­siert wor­den ist. Damit und mit der Ein­la­dung des pol­ni­schen Außen­mi­nis­te­ri­ums, das Forum im kom­men­den Jahr in Poz­nan aus­zu­rich­ten, zei­gen die euro­päi­schen Mit­glieds­staa­ten, dass sie die Bedeu­tung, die die EU der Arbeit von zivil­ge­sell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen in der öst­li­chen Part­ner­schaft bei­misst, tei­len und dass sie Ver­ant­wor­tung für das wei­te­re Gelin­gen des Pro­zes­ses über­neh­men.

Durch die Ver­la­ge­rung der Ver­an­stal­tung von Brüs­sel nach Ber­lin wur­de auch die Aus­rich­tung einer gan­zen Rei­he von öffent­li­chen Rah­men­ver­an­stal­tun­gen ermög­licht, die der poli­tisch inter­es­sier­ten Öffent­lich­keit in Ber­lin die Gele­gen­heit gaben, sich mit den gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Ent­wick­lun­gen in den Staa­ten der öst­li­chen Part­ner­schaft und der Arbeit der dor­ti­gen Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen ver­traut zu machen – eine Mög­lich­keit, die von den Ber­li­ner Akteu­ren, die nicht Mit­glie­der des Zivil­ge­sell­schafts­fo­rums waren, aktiv genutzt wur­de.

Die Dis­kus­sio­nen auf dem Forum selbst hin­ter­lie­ßen einen zwie­späl­ti­gen Ein­druck: Zwar waren über 200 enga­gier­te und kennt­nis­rei­che Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter von Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen aus den sechs EaP Staa­ten und der EU anwe­send, die extrem sche­ma­ti­sche Struk­tu­rie­rung und Lei­tung der Arbeits­grup­pen und der Ple­nar­ver­an­stal­tun­gen gab aller­dings kaum Raum für die Ent­wick­lung von gemein­sa­men Stra­te­gi­en oder selbst das Aus­tra­gen von Dis­kus­sio­nen. So hin­ter­ließ das Forum den Ein­druck einer poli­tisch sehr ambi­tio­nier­ten, im Detail aber wenig ziel­füh­ren­den Ver­an­stal­tung und blieb damit ins­ge­samt hin­ter den hoch­ge­spann­ten Erwar­tun­gen zurück. Posi­tiv ist zu bemer­ken, dass der Mode­ra­tor der abschlie­ßen­den Ple­nums­dis­kus­si­on das unter den Teil­neh­mern spür­ba­re Miss­fal­len mit der man­geln­den Sub­stanz und Kon­kret­heit der Ver­an­stal­tung ansprach und alle Teil­neh­mer auf­rief, ihre Kri­tik und Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge am zivil­ge­sell­schaft­li­chen Forum der öst­li­chen Part­ner­schaft zu for­mu­lie­ren. Eine gro­ße Ver­ant­wor­tung kommt jetzt den Mit­glie­dern des Forums und der Steue­rungs­grup­pe ins­be­son­de­re zu, die­se Anre­gun­gen auf­zu­grei­fen und zu rea­li­sie­ren, so dass das Forum neben der Erfül­lung der orga­ni­sa­to­ri­schen und pro­to­kol­la­ri­schen Anfor­de­run­gen, die eine sol­che inter­na­tio­na­le Groß­ver­an­stal­tung erfor­dert, auch sub­stan­ti­el­le und kon­kre­te Dis­kus­sio­nen zu aktu­el­len und wich­ti­gen Fra­ge­stel­lun­gen ermög­li­chen kann.

Eini­ge der zen­tra­len Emp­feh­lun­gen an die Wei­ter­ent­wick­lung des For­mats sind:

Der poli­ti­sche Dia­log zwi­schen den Ver­tre­tern der staat­li­chen Struk­tu­ren und denen des zivil­ge­sell­schaft­li­chen Forums auf den Minis­ter­tref­fen in Brüs­sel, der die Kern­idee des zivil­ge­sell­schaft­li­chen Forums ist, muss trans­pa­ren­ter gestal­tet wer­den. Die gleich­be­rech­tig­te Ver­tre­tung zivil­ge­sell­schaft­li­cher Inter­es­sen ist das wich­tigs­te Grund­an­lie­gen des Civil Socie­ty Forums und muss sowohl in Brüs­sel als auch in den Mit­glieds­staa­ten der öst­li­chen Part­ner­schaft nach­drück­lich ver­tre­ten wer­den.

Die aus 17 Per­so­nen bestehen­de Steue­rungs­grup­pe hat für die Kon­sti­tu­ie­rung des Forums Beacht­li­ches geleis­tet und soll­te durch ein haupt­amt­li­ches Sekre­ta­ri­at unter­stützt wer­den, das orga­ni­sa­to­ri­sche Fra­gen und die Anfor­de­run­gen an die Kom­mu­ni­ka­ti­on inner­halb der Mit­glie­der des Forums bear­bei­ten kann. Eine wei­te­re ehren­amt­li­che Steue­rung die­ses poli­tisch ambi­tio­nier­ten Pro­jekts wird auf Dau­er ohne Qua­li­täts­ein­bu­ßen nicht mög­lich sein.

Die finan­zi­el­le Aus­stat­tung des Pro­gramms der Öst­li­chen Part­ner­schaft durch die EU Kom­mis­si­on, ins­be­son­de­re aber der Arbeit zivil­ge­sell­schaft­li­cher Akteu­re muss deut­lich ver­bes­sert wer­den, damit der poli­ti­schen Wil­lens­be­kun­dung der EU, Ver­ant­wor­tung für die Regi­on zu über­neh­men, Glaub­wür­dig­keit ver­lie­hen wird und der poli­ti­schen Dekla­ra­ti­on auch kon­kre­te und für die Gesell­schaf­ten sicht­ba­re Schrit­te fol­gen kön­nen.

Weni­ger tech­nisch auf­wän­di­ge als viel­mehr sach­be­zo­ge­ne und zeit­na­he Infor­ma­ti­on über die Ver­an­stal­tun­gen der ver­schie­de­nen For­ma­te des Civil Socie­ty Forums und über die Arbeit der Steue­rungs­grup­pe sind unum­gäng­lich, um die Teil­neh­mer über die Arbeit des Forums zu infor­mie­ren, neue Teil­neh­mer ein­zu­bin­den, Kri­tik und Anre­gun­gen des Forums durch die Teil­neh­mer­or­ga­ni­sa­tio­nen zu ermög­li­chen und um schließ­lich auch zu einer bes­se­ren Sicht­bar­keit des Civil Socie­ty Forums in den Gesell­schaf­ten der EU und der EaP Staa­ten bei­zu­tra­gen.

Offe­ne­re For­ma­te (Open Space) für die jähr­li­chen Groß­ver­an­stal­tun­gen soll­ten in Erwä­gung gezo­gen wer­den, um den frei­en Aus­tausch und ein schöp­fe­ri­sche­res Arbei­ten unter den anwe­sen­den Orga­ni­sa­tio­nen zu ermög­li­chen.

Kategorien: Analysen