Zur Lage in Bela­rus und Emp­feh­lun­gen für akti­ve Maß­nah­men der Euro­päi­schen Uni­on und ihrer Mit­glied­staa­ten

Die Lage: Bela­rus im War­te­stand. Mit sei­ner Außen­po­li­tik, die man mit dem his­to­risch befrach­te­ten Begriff „Schau­kel­po­li­tik“ tref­fend umschrei­ben kann, setzt der Dik­ta­tor Alex­an­der Luka­schen­ko sei­ne Bemü­hun­gen auch in die­sem Jahr fort, sei­nen Macht­po­si­ti­on inter­na­tio­nal abzu­si­chern, und die Kon­trol­le über Land und Leu­te emo­tio­nal, d. h. patri­ar­cha­lisch und im Wege des Zucht­meis­ters abzu­si­chern. Die Ent­wick­lung in Ost­eu­ro­pa wird von innen­po­li­ti­schen Tur­bu­len­zen in Mos­kau, dem zur Ent­schei­dung drän­gen­den Rin­gen um die Rati­fi­zie­rung des Asso­zi­ie­rungs­ab­kom­mens der Euro­päi­schen Uni­on mit der Ukrai­ne und von dem durch Kon­fron­ta­ti­on gepräg­ten Still­stand in den Bezie­hun­gen der Euro­päi­schen Uni­on mit Bela­rus bestimmt. Der Gip­fel der Öst­li­chen Part­ner­schaft im Novem­ber in Vil­ni­us gibt Anlass zur Bestands­auf­nah­me und für neue Impul­se. Die wirt­schaft­li­che Abhän­gig­keit der Men­schen in Bela­rus vom Sys­tem nimmt indes­sen not­ge­drun­gen ab: Ange­sichts mas­si­ver öko­no­mi­scher Pro­ble­me der Staats­wirt­schaft ver­die­nen hun­der­tau­sen­de Bela­rus­sen den Lebens­un­ter­halt ihrer Fami­li­en im Aus­land und durch eige­ne „Fami­li­en­un­ter­neh­men“ im Lan­de. Etwa die Hälf­te des Fami­li­en­ein­kom­mens wird in har­ter Wäh­rung ver­dient. Die inne­re Distanz der Bela­rus­sen zum Regime nimmt zu, und das Ver­trau­en in die Zukunfts­fä­hig­keit des Lan­des unter den vor­herr­schen­den Rah­men­be­din­gun­gen nimmt ab. Es wäre falsch, dar­aus jedoch eine zuneh­men­de Pro­test­be­reit­schaft der Men­schen in Bela­rus abzu­lei­ten – schließ­lich steht dem ein mas­si­ver staat­li­cher Kon­troll- und Unter­drü­ckungs­ap­pa­rat unter Lei­tung des KGB gegen­über. Die oppo­si­tio­nel­len poli­ti­schen Par­tei­en und Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen – so schwach sie ange­sichts der fort­dau­ern­den Unter­drü­ckungs­po­li­tik auch sein mögen und daher auch die geziel­te Auf­merk­sam­keit der Bür­ger nicht errei­chen kön­nen – doku­men­tie­ren bei­spiel­haft und bei­spiel­ge­bend das auch in Bela­rus vor­han­de­ne euro­päi­sche Bewusst­sein der gemein­sa­men Wer­te der Men­schen­wür­de und ihrer Rele­vanz für die Ent­wick­lung der offe­nen Gesell­schaft in Bela­rus mit frei­en und fai­ren Wah­len, unter­neh­me­ri­scher Initia­ti­ve und Ver­ant­wor­tung für Wirt­schaft und tech­ni­sche Erneue­rung sowie mit dem Ver­lan­gen nach unab­hän­gi­gen Gerich­ten. Es ist eine Schwä­che der offe­nen Gesell­schaf­ten in Euro­pa, die gerin­ge Reso­nanz der poli­ti­schen Oppo­si­ti­on als selbst ver­ur­sach­tes Defi­zit ihres beschränk­ten Anse­hens in der bela­rus­si­schen Öffent­lich­keit zu inter­pre­tie­ren. Die­ses Argu­ment ist nichts ande­res als ein Fei­gen­blatt für oppor­tu­nis­ti­sche Bereit­schaft zur Zusam­men­ar­beit mit einer auto­ri­tä­ren Regie­rung – den Inha­bern des auch prak­ti­zier­ten Gewalt­mo­no­pols im Lan­de. Nach den Jahr­zehn­ten kol­lek­ti­ver Bewusstseins­prä­gung ist das per­sön­li­che Erleb­nis der poli­ti­schen Frei­heit, der beruf­li­chen Ent­fal­tung und der Teil­ha­be an der wirt­schaft­li­chen und sozia­len Ent­wick­lung des Lan­des von ent­schei­den­der Bedeu­tung für des­sen Zukunfts­fä­hig­keit. Die gesell­schaft­li­che Ent­wick­lung eines Lan­des in Euro­pa wird in aller­ers­ter Linie von der per­sön­li­chen Ver­ant­wor­tungs­be­reit­schaft und Mit­wir­kung des Men­schen an den Wirt­schafts­pro­zes­sen, der poli­ti­schen Kul­tur des Lan­des und sei­nen Bil­dungs- und Aus­bil­dungs­ein­rich­tun­gen getra­gen – oder aber das Land ver­harrt in Sta­gna­ti­on. In die­ser Lage befin­det sich Bela­rus heu­te – und schon seit fast zwei Jahr­zehn­ten. Es ist heu­te inter­na­tio­nal unbe­strit­ten, dass die sozia­lis­ti­sche Plan- und Staats­wirt­schaft wegen ihrer Inno­va­tions- und Wett­be­werbs­schwä­che zusam­men­ge­bro­chen ist. Auch das Gewalt­mo­no­pol von Staat, Par­tei und Geheim­diens­ten hat im Sowjet­block die­se Rea­li­tät nicht auf Dau­er aus­he­beln kön­nen. Vor die­sem geschicht­li­chen und im Bewusst­sein der Men­schen stark ver­an­ker­ten Hin­ter­grund muss es das Ziel unse­rer Bemü­hun­gen sein, die Selbst­fin­dung des Bür­gers, sei­ne Ent­schei­dungs­frei­heit, sei­ne Bil­dung, sei­ne beruf­li­che Qua­li­fi­zie­rung und sei­ne sozia­le Mit­ver­ant­wor­tung zu för­dern – im Inter­es­se des Bür­gers und des Lan­des. Ohne den Wan­del des Bewusst­seins der Bür­ger bleibt die for­ma­le Über­nah­me der euro­päi­schen Wer­te in der Wahr­neh­mung der Men­schen ein von außen auf­ge­setz­ter, wenn nicht oktroy­ier­ter Pro­zess, des­sen inne­re Logik nicht nach­voll­zo­gen wird und daher auch nicht zu dem füh­ren kann, was eine offe­ne Gesell­schaft an poli­ti­schem Dia­log, wirt­schaft­li­cher Ent­fal­tung und sozia­ler Absi­che­rung zu leis­ten in der Lage ist. Das Luka­schen­ko-Regime ver­zö­gert die Ent­fal­tung des Poten­zi­als der demo­kra­tisch ver­an­ker­ten poli­ti­schen Par­tei­en, der mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men und der Aus­bil­dung qua­li­fi­zier­ter Fach­kräf­te für eine dem inter­na­tio­na­len Wett­be­werb aus­ge­setz­te Wirt­schaft. Mit der aktu­ell vor­ge­leg­ten Ana­ly­se über die „Lage der Men­schen­rech­te in Bela­rus“ will die Ver­ei­ni­gung „Men­schen­rech­te in Bela­rus e. V.“ zu einer rea­lis­ti­schen Ein­schät­zung der inne­ren Ver­fasst­heit des Lan­des bei­tra­gen, in dem auch Min­dest­stan­dards der von den Ver­ein­ten Natio­nen im Jah­re 1948 ver­ab­schie­de­ten und durch die euro­päi­schen Doku­men­te für den euro­päi­schen Raum ver­dich­te­ten Rech­te des Bür­gers und sein Schutz gegen Will­kür von Staat und Gesell­schaft miss­ach­tet wer­den: Es gibt weder fai­re und freie Wah­len, noch eine unab­hän­gi­ge Recht­spre­chung noch die Frei­heit zur frei­en Rede, Ver­samm­lung und reli­giö­sen Selbst­be­stim­mung. Bela­rus gehört zu den weni­gen Län­dern, in denen die Todes­stra­fe nicht nur als Straf­maß fort­be­steht son­dern auch in Anwen­dung kommt, und das nach zwei­fel­haf­ten Gerichts­ver­fah­ren. Aus den Umfra­gen unab­hän­gi­ger Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tu­te lässt sich ein abneh­men­des Ver­trau­en der Bevöl­ke­rung in die Fähig­keit des Regimes ablei­ten, die gesell­schaft­li­chen und wirt­schaft­li­chen Pro­ble­me des Lan­des zukunfts­wei­send zu bewäl­ti­gen. Pro­rus­si­sche und pro­west­li­che Ten­den­zen hal­ten sich die Waa­ge. Vie­le Bür­ger des Lan­des wol­len gute Bezie­hun­gen zu bei­den Macht­zen­tren unter­hal­ten. Der Markt­wirt­schaft wird zuneh­mend mehr Ver­trau­en geschenkt. Das grund­sätz­lich vor­han­de­ne wirt­schaft­li­che Poten­zi­al des Lan­des, u. a. auf dem indus­tri­el­len Sek­tor, wird wegen feh­len­der markt­wirt­schaft­li­cher Refor­men nur unge­nü­gend genutzt. Preis­vor­tei­le beim Bezug von Roh­öl aus Russ­land ermög­li­chen ein­träg­li­che Aus­fuh­ren von Ölpro­duk­ten in den EU-Markt. Offi­zi­el­le Plan­vor­ga­ben für die indus­tri­el­le Pro­duk­ti­on füh­ren bei Fehl­ein­schät­zung des Mark­tes zu hohen Lager­be­stän­den. Bela­rus lei­det wei­ter­hin an hohen Infla­ti­ons­ra­ten. Aus der Sicht des offi­zi­el­len Bela­rus hat die Mit­glied­schaft des Lan­des in der Öst­li­chen Part­ner­schaft dem Lan­de kei­ne poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Vor­tei­le gebracht. Die Grund­sät­ze sowie Pra­xis der west­li­chen Bela­rus-Poli­tik im All­ge­mei­nen und der deut­schen Bela­rus-Poli­tik im Beson­de­ren sind in die Ziel­set­zun­gen der Öst­li­chen Part­ner­schaft ein­ge­bet­tet und stel­len für das Land eine kon­struk­ti­ve, eine glaub­wür­di­ge Opti­on im Fal­le sei­ner Hin­wen­dung zur nach­hal­ti­gen Demo­kra­tie-Ent­wick­lung dar. Maß­nah­men­ka­ta­log

  1. Zen­tren für Trans­for­ma­ti­on. Die Ver­ei­ni­gung „Men­schen­rech­te in Bela­rus e. V.“ unter­stützt inten­siv die Ent­wick­lung von „Zen­tren für Trans­for­ma­ti­on“ in den Län­dern der Öst­li­chen Part­ner­schaft, u. a. an der im litaui­schen Exil befind­li­chen Euro­päi­schen Huma­nis­ti­schen Uni­ver­si­tät Minsk (EHU), die in enger Zusam­men­ar­beit mit ande­ren aka­de­mi­schen und wis­sen­schaft­li­chen Ein­rich­tun­gen aka­de­mi­sche Aus­bil­dungs­gän­ge für Poli­ti­sche Wis­sen­schaf­ten sowie Volks- und Betriebs­wirt­schaft unter beson­de­rer Berück­sich­ti­gung der Trans­for­ma­ti­ons­pro­ble­ma­tik ent­wi­ckeln sol­len. Han­del und Gewer­be in Län­dern der Euro­päi­schen Uni­on und ihrer Nach­bar­schaft ste­hen in wirt­schaft­li­chem Wett­be­werb. Daher ist die dua­le, das heißt glei­cher­ma­ßen pra­xis­na­he wie theo­re­tisch-aka­de­mi­sche Aus­bil­dung von Fach­kräf­ten für alle Berei­che von Gewer­be und Dienst­leis­tun­gen uner­läss­lich. Es bestehen Defi­zi­te an der EHU in die­ser Hin­sicht, wie auch in den Aus­bil­dungs­plä­nen von ande­ren Län­dern der Öst­li­chen Part­ner­schaft. Die­sem Man­gel muss wirk­sam begeg­net wer­den. Stif­tun­gen der Wirt­schaft und der Poli­tik sind gefor­dert, ihre Ent­wick­lungs­stra­te­gi­en für Ost-Mit­tel­eu­ro­pa zu adjus­tie­ren.
  2. Aus- und Fort­bil­dung für Bela­rus­sen in den Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on. Die Ver­ei­ni­gung „Men­schen­rech­te in Bela­rus e. V.“ setzt sich für eine Aus­wei­tung des Aus­bil­dungs­an­ge­bots für Men­schen aus Bela­rus in den Län­dern der Euro­päi­schen Uni­on ein, für Men­schen, die eines Tages in Bela­rus selbst qua­li­fi­zier­te Arbeit leis­ten kön­nen, die Ent­wick­lung von Bür­ger­sinn und Initia­ti­ve för­dern und selbst prak­ti­zie­ren, und auf die­sem Wege den Wohl­stand und die Viel­falt der Gesell­schaft för­dern, die zu den geschicht­li­chen Wur­zeln die­ses Rau­mes gehö­ren, aber Opfer der auto­ri­tä­ren Sys­te­me wur­den. Fach­kon­fe­ren­zen soll­ten im Zusam­men­hang mit der Moder­ni­sie­rungs­de­bat­te mit der Zivil­ge­sell­schaft in den Län­dern der Öst­li­chen Part­ner­schaft den Bedarf und Wege der Befrie­di­gung die­ses Bedarfs fin­den, z. B. für den IT-Bereich, das Inge­nieurs­we­sen, die Betriebs- sowie Volks­wirt­schaft sowie im Rechts­we­sen, aber auch für Meis­ter­be­ru­fe in der mit­tel­stän­di­schen Wirt­schaft und in fast allen Dienst­leis­tungs­be­rei­chen. Prak­ti­sche Erfah­rung trägt zur Ent­wick­lung von Ver­trau­en in die offe­ne Gesell­schaft bei, in wel­cher die mit­tel­stän­disch ver­an­ker­te Wirt­schaft und eine plu­ra­lis­ti­sche Par­tei­en-Land­schaft zu den wich­tigs­ten Pfei­lern der Demo­kra­tie wer­den kön­nen und soll­ten – wie es in den meis­ten EU-Mit­glied­staa­ten der Fall ist. Die in Bezug auf Bela­rus schon prak­tisch ent­schärf­te Visums­po­li­tik für die brei­te Mas­se der Bevöl­ke­rung soll­te wei­ter libe­ra­li­siert wer­den, um die hier dis­ku­tier­ten Pro­jek­te zu för­dern.
  3. Schu­li­sche Bil­dungs­ko­ope­ra­tio­nen der Mit­glieds­staa­ten mit Bela­rus. Das bela­rus­si­sche Regime zeigt sich trotz aller Maß­nah­men gegen Plu­ra­li­tät aktu­ell offen für Bil­dungs­ko­ope­ra­tio­nen im schu­li­schen Bereich. Spe­zi­ell die Teil­neh­mer­zah­len am von deut­scher Sei­te ange­bo­te­nen „Deut­schen Sprach­di­plom der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz“ neh­men ste­tig zu und die bela­rus­si­sche Sei­te hat Inter­es­se bekun­det, die Teil­neh­mer­zah­len wei­ter zu erhö­hen. Über die hier­mit ver­bun­de­nen schu­li­schen Pro­gram­me wer­den in der Regel nicht nur Sprach­kennt­nis­se ver­mit­telt, son­dern auch kul­tu­rel­le Aspek­te und Wer­te zur Dis­kus­si­on gestellt. Die Mit­glieds­staa­ten soll­ten daher prü­fen, ob ihre Maß­nah­men im Bereich der schu­li­schen Bil­dungs­ko­ope­ra­ti­on bei­be­hal­ten und wo mög­lich inten­si­viert wer­den kön­nen, bei­spiels­wei­se durch eine per­so­nel­le und finan­zi­el­le För­de­rung des Unter­richts in Spra­chen der Euro­päi­schen Uni­on. Bestehen­de Mitt­ler auf deut­scher Sei­te, aber auch Orga­ni­sa­tio­nen ande­rer EU-Mit­glieds­staa­ten (bei­spiels­wei­se das Insti­tut Français), könn­ten in die­ser Hin­sicht ange­spro­chen wer­den.
  4. Die Sank­ti­ons­po­li­tik gegen­über Bela­rus. Die Sank­ti­ons­po­li­tik gegen­über Bela­rus wird von Kri­ti­kern mit dem Argu­ment kri­tisch hin­ter­fragt, dass damit kein Wan­del der Hal­tung des Regimes her­bei­ge­führt wer­den kann, son­dern eher eine Ver­stei­fung ein­tritt. In den Sank­tio­nen mani­fes­tiert sich in ers­ter Linie die Soli­da­ri­tät mit den Unter­drück­ten und die Ent­schlos­sen­heit der Euro­päi­schen Uni­on und ihrer Mit­glied­staa­ten, dem Regime auch nicht den Anschein der demo­kra­ti­schen Legi­ti­ma­ti­on zu erwei­sen, solan­ge Men­schen­ech­te in der Wei­se mit Füßen getre­ten wer­den, wie es in dem von Luka­schen­ko gestal­te­ten Bela­rus seit 1996 der Fall ist. Luka­schen­ko demons­triert sei­ne Kon­flikt­be­reit­schaft nicht nur gegen­über der Euro­päi­schen Uni­on, son­dern von Zeit zu Zeit auch gegen­über sei­nem Ver­bün­de­ten, der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on. Nach­hal­ti­ge Fort­schrit­te auf dem Wege zu einem demo­kra­ti­schen Bela­rus wer­den ohne Zwei­fel zu einer Ver­bes­se­rung und Ver­tie­fung der Bezie­hun­gen und der Zusam­men­ar­beit füh­ren. Die Medi­en­be­richt­erstat­tung ver­deut­licht, dass viel Dis­kus­si­ons­stoff unter der Decke gehal­ten wird. Das ist nicht gut. In den par­la­men­ta­ri­schen Gre­mi­en der euro­päi­schen Insti­tu­tio­nen steht die Ent­wick­lung des Lan­des immer wie­der auf der Tages­ord­nung, und das soll­te auch so blei­ben. Die Men­schen in Bela­rus soll­ten wis­sen, dass die Sank­tio­nen dem inzwi­schen selbst ernann­ten Prä­si­den­ten sowie sei­nen Pala­di­nen gel­ten – und nicht den Bür­gern des Lan­des. Die nament­lich geführ­te Lis­te von Regi­me­ver­tre­tern, die mit Ein­rei­se­be­schrän­kung behaf­tet sind, ist inso­fern eine kon­se­quen­te Sicht­bar­mach­tung die­ser kon­kret adres­sier­ten Kri­tik und soll­te bei­be­hal­ten – und ggf. erwei­tert werden.Die Unter­drü­ckungs­maß­nah­men und die bru­ta­len Straf­ver­fah­ren gegen Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten in den Wah­len des Dezem­bers 2010, sowie begrün­de­te Zwei­fel an den 2012 voll­streck­ten Todes­ur­tei­len gegen die mut­maß­li­chen Täter der U-Bahn-Explo­sio­nen dis­qua­li­fi­zie­ren den Mins­ker Macht­hal­ter als ver­trau­ens­wür­di­gen Staats­chef inner­halb der euro­päi­schen Staa­ten­ge­mein­schaft erneut.
  5. Medi­en. Über die elek­tro­ni­schen Medi­en haben die Bür­ger des Lan­des wei­ter­hin Zugang zu den Ent­wick­lun­gen im Rest der Welt, vor allem in Euro­pa – wenn auch in zuneh­men­dem Maße durch Bela­rus über­wacht. Geziel­te Sen­de­pro­gram­me in Rus­sisch und Weiß­rus­sisch blei­ben not­wen­dig, Jour­na­lis­ten­rei­sen nach Deutsch­land und zur Euro­päi­schen Uni­on müs­sen auf der Tages­ord­nung blei­ben.

Aus­blick Mit den in die­sem Stra­te­gie­pa­pier vor­ge­schla­ge­nen Maß­nah­men (Zen­tren für Trans­for­ma­ti­on, Aus- und Fort­bil­dun­gen für Bela­rus­sen, schu­li­sche Bil­dungs­ko­ope­ra­ti­on, Sank­ti­ons­po­li­tik und Medi­en­för­de­rung) wol­len wir die Bür­ger- und Zivil­ge­sell­schaft wei­ter unter­stüt­zen. Unge­ach­tet der­zeit aus­blei­ben­der tages­po­li­tisch rele­van­ter Erfol­ge bleibt Bela­rus mit sei­nem auto­ri­tä­ren Sys­tem und den in Unfrei­heit gehal­te­nen Bür­gern des Lan­des im Fokus unse­rer Auf­merk­sam­keit. Die Euro­päi­sche Uni­on darf sich einem kon­struk­ti­ven und zu inten­si­vie­ren­den Umgang mit Bela­rus nicht ver­schlie­ßen. Obschon für die Uni­on vie­le kurz­fris­ti­ge finan­zi­el­le Her­aus­for­de­run­gen anlie­gen, muss sie ihre äuße­re Gestal­tungs­fä­hig­keit auch durch lang­fris­tig ori­en­tier­tes Außen­han­deln in Bezug auf Bela­rus unter Beweis stel­len. Zu die­sem Ansatz muss immer auch die Bereit­schaft zur Zusam­men­ar­beit zäh­len.