Zur Lage in Bela­rus und Emp­feh­lun­gen für akti­ve Maß­nah­men der Euro­päi­schen Uni­on und ihrer Mit­glied­staa­ten

1. Die Lage in Bela­rus

Span­nun­gen Mos­kau – Minsk

Das auto­ri­tä­re Luka­schen­ko-Regime sichert sei­ne pre­kä­re stra­te­gi­sche Lage durch eine Poli­tik der kon­trol­lier­ten Zusam­men­ar­beit mit der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on, die unter Wla­di­mir Putin eine von Mos­kau gesteu­er­te Eura­si­sche Wirt­schafts­uni­on durch­set­zen will. Bela­rus ist ein wich­ti­ger Bau­stein. Die Ent­wick­lung die­ser Wirt­schafts­uni­on steht im Schat­ten der offen­si­ven Mos­kau­er Außen- und Mili­tär­po­li­tik, die durch eine inter­ven­tio­na­lis­ti­sche natio­na­lis­ti­sche Pro­pa­gan­da nach Innen und Außen ergänzt wird und daher in den post­so­wje­ti­schen Nach­bar­staa­ten wie der haupt­be­trof­fe­nen Ukrai­ne, aber auch in den bal­ti­schen Staa­ten und in Bela­rus Kriegs­angst und Furcht vor rus­si­scher poli­ti­scher Infil­tra­ti­on hat auf­kom­men las­sen. Über die von vie­len Bevöl­ke­rungs­tei­len fre­quen­tier­ten staats­na­hen rus­si­schen Fern­seh- und Radio­pro­gram­me wird die rus­si­sche Sicht­wei­se in die Fami­li­en der Nach­bar­völ­ker trans­por­tiert. Auch das bela­rus­si­sche Regime nimmt die­se Bedro­hung für die Unab­hän­gig­keit des Lan­des wahr und wird von Tei­len der Bevöl­ke­rung bei dem zähen Rin­gen um Kom­pro­mis­se mit Mos­kau in wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Fra­gen unter­stützt, zumal Luka­schen­ko es sich neu­er­dings ange­le­gen sein lässt, die bela­rus­si­sche Spra­che als Sym­bol der bela­rus­si­schen Unab­hän­gig­keit auch offen zu för­dern. Wegen sei­nes vom Macht­er­halt bestimm­ten Behar­rens auf der Staats­wirt­schaft kann es Luka­schen­ko aber nicht gelin­gen, sich von der wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Abhän­gig­keit von Mos­kau frei­zu­ma­chen. Mit der logis­ti­schen Unter­stüt­zung der euro­päi­schen Ver­mitt­lungs­be­mü­hun­gen im rus­sisch-ukrai­ni­schen Kon­flikt hat Luka­schen­ko mit dem „Minsk Pro­zess“ an inter­na­tio­na­lem Sta­tus und Anse­hen gewon­nen – unge­ach­tet der fort­be­stehen­den Kri­tik der Euro­päi­schen Uni­on, des Euro­pa­rats und der USA an den fort­ge­setz­ten Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen in Bela­rus.

Zwan­zig Jah­re Luka­schen­ko-Ver­fas­sung in Bela­rus

Das Luka­schen­ko-Regime begeht im Novem­ber 2016 den zwan­zigs­ten Jah­res­tag der ver­fas­sungs­wid­ri­gen und gewalt­sa­men Durch­set­zung der unde­mo­kra­ti­schen Ver­fas­sungs­re­form. Das Regime hält im Inter­es­se des Macht­er­halts an der Staats­wirt­schaft im indus­tri­el­len Sek­tor, an der kol­lek­ti­ven Land­wirt­schaft und der staat­li­chen Kon­trol­le von Han­del und Gewer­be fest. Dem rasant sich ent­wi­ckeln­den infor­mel­len Sek­tor der Wirt­schaft, der zum Erhalt eines hin­rei­chen­den Lebens­stan­dards der Fami­li­en in Bela­rus in erheb­li­chem Umfang bei­trägt, sind enge Gren­zen gesetzt: Eine sich selbst orga­ni­sie­ren­de neue, gesell­schaft­lich und wirt­schaft­lich rele­van­te Kraft soll ver­hin­dert wer­den.

Fort­set­zung von Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen

Aus stra­te­gi­schen Grün­den öff­net sich das Regime ver­bal der Zusam­men­ar­beit mit der Euro­päi­schen Uni­on, um Optio­nen für die Siche­rung sei­ner Unab­hän­gig­keit gegen­über rus­si­schem Druck auf­zu­bau­en und um nach Mög­lich­keit wirt­schafts­po­li­ti­schen Spiel­raums für die drin­gend erfor­der­li­che Moder­ni­sie­rung des Indus­trie­parks und die Erwei­te­rung der Absatz­märk­te zu gewin­nen. Kon­tak­te inner­halb und außer­halb der Öst­li­chen Part­ner­schaft neh­men zu. Sub­stan­ti­el­le Refor­men mit dem Ziel der Libe­ra­li­sie­rung der poli­ti­schen Kul­tur des Lan­des oder des Respekts für die unab­hän­gi­gen indi­vi­du­el­len Men­schen­rech­te sind jedoch nicht zu beob­ach­ten.

Nach der Frei­las­sung der letz­ten noch hin­ter Gefäng­nis­mau­ern fest­ge­hal­te­nen Oppo­si­tio­nel­len im August 2015 sus­pen­dier­te die Euro­päi­sche Uni­on im Febru­ar 2016 fast alle Sank­tio­nen. Es blei­ben die nach dem Ver­schwin­den­las­sen von Oppo­si­ti­ons-Füh­rern in den Jah­ren 1999/​2000 sowie die im Jah­re 1997 ver­häng­ten Sank­tio­nen, u.a. die Auf­he­bung des Gast-Sta­tus beim Euro­pa­rat und die Sus­pen­die­rung der Rati­fi­zie­rung des Koope­ra­ti­ons­ver­trags zwi­schen der EU und Bela­rus in Reak­ti­on auf den ver­fas­sungs­wid­ri­gen Ver­fas­sungs­coup vom 26. Novem­ber 1996.

Mit Beklom­men­heit und Ent­täu­schung müs­sen die west­li­chen Län­der die Zunah­me von Todes­ur­tei­len und deren Voll­stre­ckung regis­trie­ren, die seit der Auf­he­bung der Sank­tio­nen ver­fügt wor­den sind. Das Regime führt auch im täg­li­chen Leben einen erbar­mungs­lo­sen Kampf mit Ver­wal­tungs­stra­fen (Geld­bu­ßen) gegen Pro­test­ak­tio­nen wel­cher Art auch immer – sei­en es poli­ti­sche Pro­tes­te, sei­en es wirt­schaft­lich oder sozi­al aus­ge­lös­te Aktio­nen von Bür­gern und Geschäfts­leu­ten.

Man muss fest­stel­len, dass die Sus­pen­die­rung der Sank­tio­nen kei­ne Ent­span­nung im Kampf des Regimes gegen unab­hän­gi­ge Medi­en­be­rich­te und Ver­samm­lung von Bür­gern für Pro­tes­te oder öffent­li­che Mei­nungs­äu­ße­run­gen gebracht hat – heu­te gewiss nicht nur aus Furcht vor Frei­heits­be­stre­bun­gen der Bür­ger, son­dern auch ange­sichts der poli­ti­schen und indi­rek­ten Inter­ven­tio­nen Mos­kaus in die poli­ti­sche Mei­nungs­bil­dung der Bevöl­ke­rung im Lan­de.

Es ist zu beob­ach­ten, dass die west­li­chen Regie­run­gen inten­si­ve­re Bezie­hun­gen zu und mit Bela­rus pfle­gen – um dem Land den Rücken im Umgang mit Mos­kau zu stär­ken, ohne den Irr­tum zu bege­hen, zu erwar­ten, dass das Regime selbst auch nur Anzei­chen eines innen­po­li­ti­schen Kurs­wech­sels zu erken­nen gibt.

Die Wah­len am 11. Sep­tem­ber 2016 zur Par­la­men­ta­ri­schen Ver­samm­lung, die 110 Abge­ord­ne­te umfasst, sind als inte­gra­ler Bestand­teil „geord­ne­ter poli­ti­scher Ver­hält­nis­se des auto­ri­tä­ren Prä­si­di­al­sys­tems“ abge­lau­fen, ohne die euro­päi­schen Stan­dards der Trans­pa­renz bei der Aus­zäh­lung der Stim­men auch nur im Ent­fern­tes­ten zu errei­chen und ohne in den Wahl­kom­mis­sio­nen die Domi­nanz der staat­li­chen Stel­len in Fra­ge stel­len zu kön­nen. Die poli­ti­sche Welt­fremd­heit des Prä­si­den­ten in Fra­gen der poli­ti­schen Kul­tur eines demo­kra­tisch ver­fass­ten Staa­tes mani­fes­tiert sich in dem mani­pu­lier­ten Wahl­sieg von zwei unab­hän­gi­gen Kan­di­da­ten, die nun unter 108 Getreu­en des Prä­si­den­ten in der Par­la­men­ta­ri­schen Ver­samm­lung wir­ken und gewiss bald unter Druck kom­men wer­den.

Die poli­ti­schen Par­tei­en, deren Zie­le sich aus der euro­päi­schen Wer­te­ord­nung erge­ben, fris­ten infol­ge viel­fäl­ti­ger Unter­drü­ckungs­maß­nah­men wei­ter­hin eine bekla­gens­wer­te Exis­tenz am Ran­de der staat­lich gesteu­er­ten Gesell­schaft.

Das gilt auch für den Medi­en­be­reich: Nur über die Wahr­neh­mung von Inter­net-Ver­öf­fent­li­chun­gen ist es dem Bür­ger mög­lich, sich ein umfas­sen­de­res Bild der Ent­wick­lung im Lan­de und auf der inter­na­tio­na­len Büh­ne zu machen. Bezeich­nen­der­wei­se muss­ten sowohl in Russ­land als auch in Bela­rus die seit Jahr­zehn­ten als unab­hän­gi­ge Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tu­tio­nen bekann­ten Lewa­da- und IISEPS-Insti­tu­te ihre Tätig­keit ein­stel­len – ein uner­setz­li­cher Ver­lust für die Mei­nungs­bil­dung im Lan­de und auf der inter­na­tio­na­len Büh­ne. Ohne Kennt­nis der sich dif­fe­ren­zie­ren­den Mei­nungs­bil­dung der Men­schen in den auto­ri­tä­ren Sys­te­men wird es den west­li­chen Län­dern immer schwe­rer wer­den, ein den Real­tä­ten ent­spre­chen­des Lage­bild im Lan­de und hin­sicht­lich der Stim­mung der Bevöl­ke­rung zu gewin­nen. Aus­län­di­sche Jour­na­lis­ten sind schon heu­te in Mos­kau und in Minsk unter Druck, weil der Medi­en­be­richt­erstat­tung in Deutsch­land nega­ti­ve Par­tei­lich­keit zu Las­ten von Mos­kau und Minsk vor­ge­wor­fen wird.

Blü­hen­de Städ­te“ und Bür­ger in Not

Unge­ach­tet schwe­rer wirt­schaft­li­cher und finan­zi­el­ler Pro­ble­me bie­tet sich dem Besu­cher von Minsk und ande­ren Städ­ten das äuße­re Bild von Wohl­stands­ge­sell­schaf­ten. Das Bild täuscht. Der Staat kann die von ihm zuge­sag­ten Leis­tun­gen – Woh­nung, Aus­bil­dung, Beruf, Gesund­heit und Alters­si­cher­heit – nur im for­ma­len Sin­ne, aber nicht mehr im rea­len Sin­ne erfül­len. Es bedarf gro­ßer Anstren­gun­gen der Bür­ger, im Wege eigen­stän­di­gen wirt­schaft­li­chen Han­delns oder der Arbeits­auf­nah­me im Aus­land, um die Finan­zie­rungs­lü­cken im Fami­li­en­haus­halt zu decken.

Die steu­er­li­chen Belas­tun­gen der nicht­staat­li­chen Unter­neh­men sind erneut gestie­gen – eine Ent­wick­lung, die den staat­li­chen Erklä­run­gen zur För­de­rung des pri­va­ten Sek­tors dia­me­tral zuwi­der­läuft und das Inves­ti­ti­ons­kli­ma erneut absin­ken las­sen wird.

In der Tra­di­ti­on der sowje­ti­schen und rus­si­schen Lei­dens­fä­hig­keit dul­det die Mas­se der Bevöl­ke­rung die Ein­schrän­kun­gen ihrer Rech­te und wirt­schaft­li­chen und gesell­schaft­li­chen Frei­hei­ten. Im Zwei­fel bau­en die Bela­rus­sen auf Hil­fe aus Russ­land, von dem abhän­gig zu sein eine Lebens­er­fah­rung dar­stellt, die aller­dings im Zei­chen des neu­en neo-natio­na­lis­ti­schen Herr­schafts­stre­bens der Kreml-Par­tei mit gro­ßen Fra­ge­zei­chen für die Wah­rung der Unab­hän­gig­keit von Bela­rus ver­se­hen ist. His­to­ri­sche Bezü­ge zu frei­heit­lich und offe­nen Gesell­schaf­ten sind im Bewusst­sein der Bür­ger des Lan­des nur noch von mar­gi­na­ler Rele­vanz. Das euro­päi­sche Modell ist ange­sichts sei­ner pro­pa­gan­dis­ti­schen Dif­fa­mie­rung durch die staat­lich gesteu­er­ten Medi­en kei­ne sich auf­drän­gen­de Alter­na­ti­ve.

Die stra­te­gisch ambi­va­lent gewor­de­ne Lage des Luka­schen­ko-Regimes mani­fes­tiert sich in der neu­en Mili­tär­dok­trin vom 20. Juli 2016, die ana­log zu west­li­chen Sicher­heits­dok­tri­nen den defen­si­ven Cha­rak­ter der Streit­kräf­te und die För­de­rung fried­li­cher Kon­flikt­lö­sung betont. Bezeich­nen­der­wei­se führ­te Bela­rus im Lau­fe die­ses Jah­res Übun­gen zur Abwehr hybrid aus­ge­führ­ter Angrif­fe durch – eine Refle­xi­on auf die gel­ten­de rus­si­sche Mili­tär­dok­trin und –pra­xis.

Regie­rung und Öffent­lich­keit sind sich der viel­fäl­ti­gen mei­nungs­bil­den­den Ein­flüs­se der rus­si­schen Medi­en bewusst, die mög­li­cher­wei­se auch bei dem Mit­füh­ren der rus­si­schen Fah­ne in der bela­rus­si­schen Mann­schaft der Para-Olym­pics in Rio de Janei­ro eine poli­ti­sche Pro­vo­ka­ti­on dar­stel­len soll­te – zum Scha­den von Bela­rus.

2. Emp­feh­lun­gen

Ange­sichts der Bedro­hung auch des ost­eu­ro­päi­schen Raums durch den macht­po­li­tisch aus­grei­fen­den rus­si­schen Neo-Natio­na­lis­mus und des nur zöger­lich vor­an schrei­ten­den Reform­pro­zes­ses in den Län­dern der Öst­li­chen Part­ner­schaft drän­gen sich fol­gen­de Emp­feh­lun­gen für die Poli­tik der Euro­päi­schen Uni­on und ihrer Mit­glie­der auf:

1. Prio­ri­tät bei der För­de­rung der Umset­zung der bis­lang im Rah­men der Öst­li­chen Part­ner­schaft geschlos­se­nen Asso­zi­ie­rungs­ab­kom­men (Ukrai­ne, Geor­gi­en, Mol­dau)

Von nicht gerin­ge­rer Bedeu­tung ist die Ver­stär­kung der Zusam­men­ar­beit im Rah­men des Bür­ger­fo­rums der Öst­li­chen Part­ner­schaft (Civil Socie­ty Forum Eas­tern Part­nership) – auf die­sem Wege kön­nen the­men- und per­so­nen­be­zo­ge­ne Netz­wer­ke ent­ste­hen, die lang­fris­tig von gro­ßer Bedeu­tung für die Ent­wick­lung eines poli­ti­schen Kli­mas in den Län­dern der Öst­li­chen Part­ner­schaft sein kön­nen. Im Fazit: Die Dis­kus­si­on über die gemein­sa­men Wer­te der Gesell­schaft wer­den als Grund­la­ge demo­kra­ti­scher Ord­nun­gen die­nen, aber auch als Basis für sozio-öko­no­mi­sche Bedin­gun­gen in der Wirt­schaft, die eine sozi­al ver­an­ker­te Markt­wirts­haft initi­ie­ren und för­dern kön­nen .

2. Ver­stär­kung der Aus­lands­pro­gram­me west­li­cher Infor­ma­ti­ons­sys­te­me in den Spra­chen des Raums – dies ist not­wen­dig, um der rus­sisch geführ­ten Ein­fluss­pro­pa­gan­da aus Mos­kau zu begeg­nen.

3. Ver­stär­kung des mul­ti­la­te­ra­len Kul­tur- und Jugend­aus­tau­sches

4. För­de­rung von Aus- und Fort­bil­dung nach­wach­sen­der Genera­tio­nen und jun­ger Berufs­an­fän­ger

5. Schaf­fung von „Zukunfts­fo­ren“ für die­se und in die­sen Län­dern. Mög­li­che The­men: Inne­re und äuße­re Sicher­heit; Migra­ti­on und Inte­gra­ti­on, dua­le Berufs­aus­bil­dung, Sozia­le Markt­wirt­schaft, Ent­wick­lung und Reform in den Euro­päi­schen Insti­tu­tio­nen)

6. Bera­tung und Mei­nungs­bil­dung zur EHU

Bei einer im Novem­ber mit Sach­ver­stän­di­gen vor­ge­nom­me­nen kri­ti­schen Bestands­auf­nah­me der2015 ver­suchs­wei­se auf­ge­nom­me­nen Ein­be­zie­hung der Hoch­schu­len in Bela­rus in den Bolo­gna-Pro­zess wur­de deut­lich, dass die Regie­rung bei der Umset­zung der Rah­men­be­din­gun­gen für das Bolo­gna-Ver­fah­ren kei­ner­lei Ent­ge­gen­kom­men erken­nen ließ – aus Furcht , die Kon­trol­le über den aka­de­mi­schen Lehr-. und For­schungs­be­reich zu ver­lie­ren. Die Ver­suchs­pe­ri­ode wird im Jah­re 2018 aus­lau­fen. Die Auf­nah­me in den Bolo­gna-Pro­zess setzt die aka­de­mi­sche Lehr – und For­schungs­frei­heit vor­aus. Sie ist der­zeit in Bela­rus nicht gege­ben.

Daher ist es aus mehr als einem Grund wün­schens­wert, dass die EHU – die Euro­päi­sche Unab­hän­gi­ge Uni­ver­si­tät im Exil (Wil­na) – ein gutes Bei­spiel für den Respekt vor der aka­de­mi­schen Lehr- und For­schungs­tä­tig­keit in ihren Ein­rich­tun­gen vor­gibt. Dar­an wer­den von nicht weni­gen Sach­ver­stän­di­gen ernst­haf­te Zwei­fel geäu­ßert. Sol­chen Zwei­feln muss die Euro­päi­sche Uni­on, die als wich­tigs­ter finan­zi­el­ler För­de­rer der EHU agiert, auf den Grund gehen. Die finan­zi­el­le Kon­trol­le reicht nicht aus, um den euro­päi­schen Wer­ten auch im For­schungs- und Lehr­be­trieb sowie im Ver­wal­tungs­be­reich der Uni­ver­si­tät Gewicht und Gel­tung zu ver­schaf­fen.

Ber­lin, Novem­ber 2016

Dr. Hans-Georg Wieck, Bot­schaf­ter a.D., Vor­sit­zen­der

Ste­fa­nie Schif­fer, Stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de

Chris­toph Becker, Schatz­meis­ter

Ste­phan Male­ri­us, Bei­sit­zer